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Kein Kohlestrom Wiesbaden

Panoramabild Wiesbaden-Biebrich mit geplantem Kohlekraftwerk Ingelheimer Aue

Zum geplanten Kohleheizkraftwerk - KHKW - Kohlekraftwerk

Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden KMW planen in unserer dicht besiedelten Region den Bau eines für den regionalen Bedarf überdimensionierten 823-MW-Kohleheizkraftwerks auf einer Rhein-Halbinsel zwischen Wiesbaden- Biebrich und Mainz- Mombach, der Ingelheimer Aue.

Dieses Kohlekraftwerk würde die CO2-Emissionen des bisherigen modernen Gas-und-Dampf- Gaskraftwerks auf der Ingelheimer Aue vervielfachen auf 4 Millionen Tonnen und zusätzlich Feinstaub sowie giftige in der Kohle enthaltene Stoffe wie beispielsweise Arsen, Quecksilber, Blei und Cadmium ausstoßen.

Der Gesamtausstoß an CO2 der Landeshauptstadt Wiesbaden inklusive Hausfeuerung, Verkehr und Industrien liegt nach Zahlen der KMW derzeit bei nur ca. 3 Millionen Tonnen CO2, was die Dimension der Zunahme eindrucksvoll illustriert.

Für dieses geplante Kohlekraftwerk soll kein älteres Kraftwerk gleicher Größe vom Netz gehen.

Vielmehr soll das erst seit 2001 betriebene hochmoderne und im Vergleich zum geplanten Kohlekraftwerk hocheffiziente sowie saubere 400-MW-GuD- Gaskraftwerk der KMW auf der Ingelheimer Aue stillgelegt werden, da nach Aussage der KMW angeblich "ab 2014 kein Gas-Liefervertrag mehr zu erhalten sei..." Die KMW selbst beschreiben auf ihrer Webseite "Wir über uns - Geschichte" dieses Gaskraftwerk als die "weltweit modernste GuD-Anlage".

Für eine bedarfsgerechte Erweiterung dieses vergleichsweise sauberen Gaskraftwerks liegt der KMW bereits eine Genehmigung vor.

Die Leistung des bestehenden 400-MW-GuD-Gaskraftwerks reicht zur Versorgung der Städte Mainz und Wiesbaden völlig aus, eine Leistungsausweitung der Stromproduktion würde überregional verkauft. Abgase und Schadstoffe des geplanten 823-MW- Kohlekraftwerks blieben allerdings hier in der Region.

Ein hochmodernes und vergleichsweise sauberes GuD-Gaskraftwerk soll also trotz vorliegender Genehmigung nicht erweitert werden, sondern durch ein weniger effizientes und deutlich schmutzigeres Importkohle-Kraftwerk mit doppelter Leistung (!) ersetzt werden.

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Umwelt

Der Klimabericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) lässt keinen Zweifel daran, dass schnellstmöglich Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden müssen. Ansonsten ist zu befürchten, dass die Folgen des Klimawandels zu weltweiten irreparablen Umweltschäden führen werden. Durch vermehrte extreme Wetterereignisse wie Stürme, Trockenheit und Dürre, extreme Niederschläge und Hitzewellen werden die Gesundheit und das Leben von Menschen weltweit gefährdet.

Der Pro-Kopf-Ausstoß des Klimakillers CO2 würde die Region Wiesbaden/ Mainz ganz weit nach vorne unter die weltweiten Klimazerstörer katapultieren. Der Bedarf an Kohle für das Kraftwerk liegt bei ca. 5000 Tonnen täglich (!), welche auf dem internationalen Markt gefördert und erworben werden müssten. Auf die Arbeitsbedingungen vor Ort haben die hiesigen Abnehmer kaum Einfluss.

Durch den Transportweg nach Wiesbaden/ Mainz entstehen nicht unerhebliche Kosten und zusätzliche Umweltbelastungen. Die jetzt schon bestehende Überwärmung des Rhein würde durch Wasserentnahme für den Kühlbedarf eines solchen Kraftwerks weiter zunehmen mit den entsprechenden Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt.

Landschaftsbild

Geplant ist ein 110m hohes Kesselhaus, ein 150m hoher Schornstein, drei 60m hohe Silos und ein 60m hoher Kühlturm. 150m Höhe entsprechen etwa einem 50stöckigen Hochhaus, was verdeutlicht, dass es sich hierbei um einen deutlichen negativen Eingriff in das Landschaftbild am Rhein handelt. Insbesondere der Blick von Wiesbaden nach Mainz und entlang des Rheintals wäre davon betroffen, die geplante Verschönerung/ Belebung des alten Zollhafens in Biebrich damit Makulatur.

Die Ingelheimer Aue ist mit Petersaue und Rettbergsaue Teil einer landschaftlich besonders reizvollen Rhein-Insel-Kette, die Aue liegt direkt gegenüber Wiesbadens rheinnahen Wohnorten mit herausragender Lebens- und Freizeitqualität. Die Fluss- Auen des Rheins mit ihren Flora-Fauna-Habitat–Gebieten und die sich vom Rhein erstreckenden Grünzüge bilden mit der kleinteiligen, historische Bebauung die Grundlage einer Bewerbung als Stadt des „Historismus“ für das UNESCO-Weltkulturerbe.

Die weithin sichtbaren Kraftwerksgebäude würden die Schönheit der Flusslandschaft und ihre Naherholungsfunktion nachhaltig beeinträchtigen, die Rheinpromenade mit Schloss und Schlosspark Biebrich entwerten, jede Chance der Landeshauptstadt Wiesbaden auf Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe zunichte machen, sie ihren Ruf als grüne Bäder-Stadt kosten, damit mittelfristig auch den Wirtschaftsstandort Wiesbaden in Mitleidenschaft ziehen, die Einnahmesituation der Kommune verschlechtern und ihre Möglichkeiten zum Erhalt und Ausbau einer kinder-, alten und familiengerechten Infrastruktur verringern.

Durch die bereits angesprochene zunehmende Erwärmung des Rheins durch den Klimawandel und weiter stromaufwärts liegende Industrien ist davon auszugehen, dass die Rheinwasserkühlung weitaus weniger als geplant zu Einsatz kommen kann und der Kühlturm den Hauptanteil der Kühlung übernehmen wird. Dies wiederum führt über die Dampf- und Rauchfahnen zu einer weithin sichtbaren Industrieanlage als neuem 'Wahrzeichen' der Region, selbst eine Verschattung der Sonne durch die Rauchfahne ist nicht auszuschließen.

Die Kapazität des geplanten Kraftwerks liegt mit 823 MW deutlich über dem Bedarf der Region, so dass davon auszugehen ist, dass die KMW in den überregionalen Stromverkauf einsteigen möchte. Dies wiederum führt zwangsläufig zur Notwendigkeit neuer Hochspannungs-Überlandleitungen, welche das Landschaftsbild weiter verschandeln werden.

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Lebensqualität

Die Bevölkerung lebt bereits jetzt in einer hochbelasteten Region. Der Industriepark InfraServ, Dyckerhoff, das jetzige GuD- Gaskraftwerk, das Müllheizkraftwerk, die bis Erbenheim oder in die Fasanerie zu riechende Fa. Nescafe am Mombacher Kreisel, die Dämmstofffirma Schwenk/Wiegla, die Schott AG, das Chemieunternehmen Ineos aus Mombach, der immer weiter zunehmende Fluglärm durch die Flughäfen Frankfurt und jetzt (militärbedingt) auch WI-Erbenheim, die Mülldeponie, die überregionale doppelspurige Bahntrasse, der Autobahnring und anderes mehr tragen zu einer nachhaltigen Minderung der Lebensqualität bei.

Inwieweit sich die Emissionen eines solchen Kohlekraftwerks mit dem Anspruch Wiesbadens als Bäder- und Kurstadt vereinbaren ließe, müßte zwangsläufig überpüft werden.

Gesundheit

Die Luftqualität im Umfeld ist trotz Fortschritten immer noch sehr schlecht; je nach Windrichtung stinkt die eine oder andere Quelle. Die Emissionen des geplanten Kohlekraftwerkes werden die Luft- und Lebensqualität bedingt durch die vorherrschenden Windrichtungen insbesondere auf Wiesbadener Seite nachhaltig verschlechtern.

Jede im Umkreis angesiedelte Industrie erfüllt isoliert betrachtet sicherlich alle Auflagen zum Umwelt- und Emmisionsschutz. Inwieweit dies allerdings für alle hier angesiedelten Industrien kumulativ betrachtet gilt, wäre Bestandteil einer dringend notwendigen wissenschaftlichen Analyse vor Bau des Kraftwerks.

Die gesundheitlichen Gefahren durch die Umweltschadstoffe sind vielfältig. Kurzfristige wie beispielsweise Allergien, Bronchitis und Asthma sind bekannt, viele langfristige Auswirkungen jedoch bis hin zur Krebsentstehung lassen sich derzeit noch gar nicht abschätzen. Hier kann nur die weitestgehende Vermeidung von Emissionen auch für nachfolgenden Generationen mehr Sicherheit und Lebensqualität bringen.

Neben dem klimaschädlichen CO2 wird das Kohlekraftwerk für die Wiesbadener Bevölkerung weitaus gefährlichere Stoffe in die Luft blasen. Dazu gehören neben den giftigen Gasen Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Ammoniak in Tonnenmengen auch Ruß, über 400 Tonnen Grob- und Feinstäube sowie partikelgebundene giftige Metalle wie Quecksilber, Arsen, Cadmium, Blei, Thallium und Vanadium. Gerade Herzkreislauf- Kranke, Asthmatiker, Ältere und Kinder sind dadurch besonders gefährdet.
Seit Dezember 2007 warnen deshalb über 200 Ärzte einer Ärzteinitiative in Mainz eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen des geplanten Kohlekraftwerks. In Wiesbaden hat sich im Januar 2008 ebenfalls eine Ärzte-Initiative gegen das Kraftwerk gegründet.

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Wirtschaft

Viele Tausend Besucher jährlich besuchen unsere Städte Wiesbaden und Mainz und stellen damit einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor dar. Das geplante Kohlekraftwerk als weithin sichtbares und alles überragendes neues 'Wahrzeichen' wird die Attraktivität als (Nah-)Erholungs- oder Kurgebiet sicherlich nicht fördern.

Bei der im Vorfeld durchgeführten Wirtschaftlichkeitsprüfung wurden die derzeit massiv steigenden Kohlepreise am Weltmarkt ebenso wenig berücksichtigt wie die zukünftig käuflich zu erwerbenden CO2- Emissionszertifikate. Die Berechnung basiert somit auf falschen Voraussetzungen. Eine evt. wirtschaftliche Schieflage des Kraftwerksbetreibers müssten letztendlich die Stromkunden über höhere Stromkosten und die Kommunen, also letztendlich der Steuerzahler bezahlen.

Alleine seit Mai 2007 ist der Preis für Importkohle (1. Quartal 2008) an der Leipziger Energiebörse um 70% auf mittlerweile 125 $/t gestiegen.

Inwieweit die kalkulierten Baukosten eingehalten werden können, bleibt abzuwarten, zeigen doch ähnliche Großprojekte der Vergangenheit, dass dies eher selten der Fall ist. Initial ging man seitens der KMW von Investitionskosten in Höhe von 900 Millionen € aus, zwischenzeitlich werden Zahlen um die 1,2 Milliarden € postuliert, bereits vor Genehmigung eine nicht uninteressante Kostenzunahme von 30 %.

Die negativen Auswirkungen auf Miet- und Wohneigentumspreise werden neben dem Wegzug zwangsläufig Entschädigungsforderungen der Anwohner in derzeit nicht kalkulierbarer Höhe nach sich ziehen.

Verlust von direkten oder indirekten Arbeitsplätzen stellt kein stichhaltiges Argument dar, bergen doch Erforschung/ Entwicklung sowie Produktion alternativer Energiequellen ein weitaus größeres und auch zukunftssichereres Potential als der Betrieb eines Kohlekraftwerks.

Entscheidungsfindung in anderen Städten

Die Stadtwerke Bremen haben aus wirtschaftlichen Erwägungen den geplanten Bau eines Kohlekraftwerks jüngst gestoppt.

Die Kölner Rhein-Energie hat als Kommunalversorger vor wenigen Wochen die Planungen für ein 800 Megawatt starkes Steinkohlekraftwerk im Stadtteil Niehl zurückgestellt.

Der geplante Bau des Kohlekraftwerks Ensdorf im Saarland wurde nach einem eindeutigen Bürgervotum im Dezember 2007 endgültig gestoppt.

In Krefeld wurde im Dezember 2007 ein Kohlekraftwerk verhindert. Der dortige Stadtrat sich für Klimaschutz und gegen ein neues Kraftwerk entschieden.

Die Stadtwerke Kiel verschieben im Februar 2008 die Investitionsentscheidung zum Bau eines Kohlekraftwerks um mind. drei Jahre.

RWE und Evonik/Steag steigen aus dem Bau konventioneller Kohlekraftwerke aus. Evonik/Steag sagt das KKW Herne 5 ab, da "derzeit die Basis für eine wirtschaftliche Realisierung des Projekts derzeit aus Sicht von Evonik nicht gegeben ist".

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